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ich soll für unseren deutschunterricht einen kleinen exkurs in schuberts vertonung von "die winterreise" vorbereiten.
es geht konkret um die musikalischen aspekte, mit denen schubert in Der Lindenbaum und Frühlingstraum die romantischen motive der gedichte unterstützt.
leider werde ich nicht wirklich fündig, kennt vielleicht von euch jemand eine gute seite, auf der das ganze auf der musikalischen ebene aufgeschlüsselt wird oder kennt sich damit so gut aus, dass er/sie mir auch so helfen kann?
vielen dank schon mal!
Für die Helfer, die helfen möchten, aber das Stück nicht vorliegen haben, hier eine Notenfassung:
Lindenbaum:
http://www.dlib.indiana.edu/variations/s...rge/index1.html
Frühlingstraum:
http://www.dlib.indiana.edu/variations/s...rge/index1.html
Eine Hilfsseite hab ich leider nicht gefunden...
Ich hab jetzt leider gerade nicht so viel Zeit das alles wirklich einzeln zu interpretieren oder so, aber hast du schon das, was in der Wikipedia dazu steht?
Der Lindenbaum:
| Zitat: |
| Musik: Das Lied wird mit einem Vorspiel eingeleitet, das durch die Sechzehnteltriolen und die Bewegung in der Oberstimme stark an das vorherige Lied (Achteltriolen und Basslauf) erinnert. Die Hornquinten im Bass und die zunächst homophone, unterordnende Begleitung der Singstimme geben dem Lied einen volkstümlichen Charakter. Die exotische Tonart E-Dur spiegelt die Entrücktheit des lyrischen Ichs wieder, das hier in der Vergangenheit gefangen ist und ihr kaum entkommen kann. Die Textpassagen, welche sich auf die Gegenwart beziehen, sind in Moll vertont: Die oktavverschobenen Begleitstimmen in der ersten Passage (Ich musst auch heute wandern) erinnern an Die Wetterfahne, die zweite Stelle (Die kalten Winde bließen) ist mit ihren vielen Halbtonverschiebungen fast schon atonal und bildet einen starken Kontrast zum Rest des Liedes. Das Lied endet wieder in E-Dur. |
Ich hab mal überflogen, es passt ganz gut. Sehr interessant ist vielleicht noch folgendes: Die entlegene Tonart E-Dur mag zwar die Entrücktheit des lyrischen Ichs zeigen, andererseits ist es eine Tonart, die von ihrer Basis her, eher hell ist (vier Kreuze, Dur). Jedoch steht dem die gleichnamige Molltonart (ein Kreuz, Parallele zu G-Dur) entgegen, die - wie im Text beschrieben - quasi die Gegenwarts- und Trauerpassagen unterstützt, weil sie - im Vergleich zu E-Dur, doch wesentlich dunkler ist.
Wichtig ist auch noch die quasi Atonalität. Eine Tonalität die nicht Grundtonbezogen ist, findet man auch im sog. Impressionismus (Debussy) und v.a. im Expressionismus (Stravinsky), weißt du, was das bedeuted? (Harmonik)
Von der Struktur ist interessant, dass der Gesang vorwiegend ABWÄRTS gerichtet ist. Fast alle größeren Intervalle (v.a.: QUARTEN und OKTAVEN, aber auch einige Quinten, wenn ich richtig sehe) sind abwärtsgerichtet, Terzen in beide Richtungen, Sekunden vorwiegend zum Aufwärtsgehen. Außerdem gibt es sehr viele PRIMEN. Vielleicht kann man das deuten (die Deutung von Intervallen ist besonders in der Filmmusik verbreitet, da diese aber ihre Ursprünge in der Romantik hat, kann man das auch hier machen).
Kannst du damit etwas anfangen, wenn ich dir das jetzt so sage? Oder sagt dir das überhaupt nichts? (Melodik)
Das Tempo ist mäßig, das Stück ist leise gespielt. Achte aber mal darauf, wo die Akzente gesetzt sind! Vielleicht gibt das auch noch mal Aufschlüsse. (Dynamik)
Zur Rhytmik fällt mir z.Z. nichts ein, zur Phrasierung bleibt vielleicht noch zu sagen, dass das Stück überwiegend legato ist. Wenn man das im Zusammenhang mit der Dynamik sieht, was erkennt man dann?
Für den Frühlingstraum müsste man sich diese Dinge auch noch einmal genauer anschauen, da fehlt mir aber jetzt die Zeit.
Das da oben ist jetzt einfach mal so ein Ansatz. Sicherlich noch unvollständig und vielleicht nicht in allen Punkten perfekt treffend und präzise. Aber darauf können wir dann ja aufbauen!
Gruß
MI
danke martin!
ich hab die ganze zeit verzweifelt nach nem notentext gesucht, aber nichts gefunden, allein das ist also schon eine große hilfe!
ja, ich kann mit allem etwas anfangen!
bin die einzige in unserem deutschkurs, die musik gewählt hat, deswegen fiel das ganze dann auf mich...
vielen dank, für die gedanken, die du dir gemacht hast!
hab mir ähnliche aspekte durchs anhören schon mal notiert, aber deine ideen sind wirklich sehr hilfreich!
Ah, das erklärt, warum du das selbst zuerst nur mäßig hinbekommen hast (Intervalle und Tonarten raushören, DAS kann ich auch kaum... 
; eine in unserem "Hochleistungsgrund"-kurs lernt das gerade, aber die will auch auf's Koservatorium 
).
Dann ist auch klar, dass du mit allem etwas anfangen kannst. Ich war der Meinung gewesen, du hättest die Noten - aber keinen vernünftigen Musikunterricht...
Eine Frage: Ich sprach ja von den verschiedenen Intervallen und habe angedeuted, dass es ein Schema gibt, nachdem diesen Intervallen verschiedene Emotionen zugeornet werden (z.B.: Sexte: "Wollen aber nicht Können" --> Schicksalsmelodie, Tritonus: "Teufel in der Musik", große Sek.: "gehen" in der Musik, etc.).
Mit Hilfe dieses Schemas könnte man die Intervalle deuten, ich glaube ein Mann namens Schneider hat diese Theorie als erster vertreten. Kennst du sie? Soll ich vielleicht noch mal nachschauen, was da noch so steht? Oder reicht es so (ich mein, es ist ja immer noch Deutsch...)?
Gruß
MI
*g* ja ich konnte das vorher mit den intervallen nur recht andeutungsweise skizzieren!
ne, mein musikunterricht ist eigentlich ganz in ordnung und da ich klavier spiele kenn ich mich einigermaßen mit so etwas aus!
Ich denke, ich hab mittlerweile genügend zusammen, um meinen deutschkurs musikalisch zu schocken!
ich würde also dieses schema nicht wirklich brauchen, es würde mich allerdings schon interessieren, das klingt ja sehr skurril!
also falls du lust hast, kannst du gerne noch danach schauen!
| Zitat: |
Original von MI
Mit Hilfe dieses Schemas könnte man die Intervalle deuten, ich glaube ein Mann namens Schneider hat diese Theorie als erster vertreten. Kennst du sie? Soll ich vielleicht noch mal nachschauen, was da noch so steht? Oder reicht es so (ich mein, es ist ja immer noch Deutsch...)?
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Mich würde dieses Schema auch sehr interessieren!
Franziska
| Zitat: |
| Ich denke, ich hab mittlerweile genügend zusammen, um meinen deutschkurs musikalisch zu schocken! |
Das erinnert mich an meinen Deutschkurs. Da haben wir die "Todesfuge" von Paul Celan besprochen und in dem Zusammenhang die Grundlagen einer Fuge rekapituliert. Ich glaub die Hälfte des Kurses ist bei dem Wort "Tonart" ausgestiegen, die anderen Nichtmusiker bei dem Wort "Modulation"...
Naja. Ich werd das Schema mal rekapitulieren. Wird allerdings frühestens Freitag soweit sein! Wahrscheinlich eher Wochenende...
Gruß
Martin
Der gute Schneider (Autor des Systems, das ich mal kurz erläutern will) hat das System der Intervall-Ausdruckswelt eigentlich nur untergeordnet innerhalb verschiedener, anderer Thesen vorgebracht:
Seiner Meinung nach steht jedes Intervall für einen speziellen Gestus:
Dieses kann man BESONDERS in der Filmmusik beobachten. Wenn ihr da mal drauf achtet, da ist das wirklich OFT angewandt!
Prime:
Die Prime kann im positiven Sinne ein „Mit-sich-eins-Sein“ bedeuten, im negativen Sinne aber auch Leere, mit einem Unterton sogar Depressivität. Welchen Charakter sie denn hat, das bestimmen dann Anschlagsart, Tonart, etc.
Kleine Sekunde:
Aufwärts gespielt haben wir eine Erwartung, ein Bitten, ein Flehen, abwärts Trauer, Resignation und Tod. Es klingt alles so ähnlich wie ein Seufzer (v.a.: wenn kurz gespielt). Vielleicht kennt ihr die Arie von Orpheus in der Oper „Orpheo ed Euridice“ von Gluck. Da wird das gut deutlich. Es heißt dort: „Ach, ich habe sie verloren“. Und das verloren ist aufgeteilt in ver-lo-ren, Töne: C-c-->h-H (mit c-->h = zwei Achtel. Da hört man das Seufzen richtig.
Große Sekunde:
Das ist die „natürliche Art des Gehens in der Musik“. Man geht (vorwiegend langsam nach oben).
Kleine Terz:
Intim, gefühlshaft. Es geht um Leben, Lieben, Leiden, Leidenschaftlichkeit oder auch Traurigkeit. (habe kein Beispiel, aber man muss sich einfach mal ein paar „Schnulzen“ anhören, da sind bestimmt einige kleine Terzen an wichtigen Stellen. Auch in Liebesfilmmusik findet man die immer.
Große Terz:
Leidenschaftsloser als die kleine Terz, natürlicher, Aufhellung
Quarte:
Aufwärts gespielt symbolisiert es DIE Aufbruchstimmung. Bestes Beispiel: Starwars: Triole F als Auftakt (Anlauf), danach Quarte zu b und Quinte zu F. Wenn man nur mal die ersten vier Töne spielt, dann merkt man, was gemeint ist! Die Quarte findet man auch immer in Marsch- und Kampfliedern!
Abwärts symbolisiert sie eine nach innen genommene Frage. (hab ich leider auch gerade kein Beispiel für)
Tritonus (verminderte Quinte):
Teufel in der Musik. Hört euch nur mal irgendeine Horrormusik an. Oder einfach mal auf dem Klavier nachspielen (beliebt: CàFis). Wenn man sich das schon im Quintenzirkel anschaut: Da gibt’s einen totalen Gegensatz zwischen den Tönen! Und genau das hört man auch.
Quinte:
Eine sehr starke, harmonische Kraft, da sie das „Urintervall“ ist. Aufwärts gespielt soll sie so etwas „Welt-Eroberer“-Charakter haben (urhaft). Es ist ein „Sich-Dehnen“, ein Strecken, oft auch ein Anlaufholen. Sie ist nicht so vertraut-emotional wie die Terz. Als Beispiel: Wieder Starwars: Die Quinte nach der Quarte fordert noch weiter auf zum Kampf, macht den Raum auf.
Abwärts gespielt ist die Quinte meist eine Rückkehr zum Grundton (also: Dominante-->Grundton). Dementsprechen wie ein „musikalisches Amen“, ein Schlusswort. Soll wohl häufig bei Bach zu finden sein.
Kleine Sexte:
Das Intervall ist, als Komplementärintervall zur Terz, ebenfalls äußerst Emotional – aber Raumgreifend! Es spiegelt das „Wollen aber nicht können“ in der Liebe wieder. Berühmte Beispiele: Tristan-Akkord (Tristan und Isolde, Wagner), und: Schicksalsmelodie. Eigentlich eine Aneinanderreihung von kleinen Sexten. Probiert’s aus: A-F mit unterschiedlicher Intensität! Hier finde ich, passt’s am Besten.
Große Sexte:
Ansteckend positiv, soll aktiv und jubelnd sein. (Leider kein Beispiel)
Kleine und große Septime:
Durch den großen Sprung entseht eine vehemente Expressivität. Die kleine Septime soll hier ein „Sich-groß-Machen“ andeuten, die große Septime einen emotionalen Schmerzenschrei. Beispiel: Wieder mal StarWars: Wir gehen einen Takt weiter: Vom F geht’s in einer Triole runter zum C (E-D-C) und dann hoch zum B (kleine Septime). Das B ist dann eine halbe Note und hat somit auch einen gewissen Akzent. Ich find, da passt’s auch. Für den „Schmerzensschrei“ hab ich aber leider kein Beispiel.
Oktave:
Ein Ausdruck der Ganzheitlichkeit, da alles vorhanden ist. Auch eine Art von „Erhabenheit“, von „Größe“. Wobei der Oktavsprung ausdrucksstärker als der Oktavfall ist!
So. Das "wär’s". Ich hoffe, es ist "lesbar" 
.
Der Entwickler des Systems hatte sogar noch mehr interessante Ideen. Man müsste mal sein Buch lesen...
Gruß
MI
Hallo MI,
Ich danke dir ganz herzlich für das Posten dieses Systems. Ich hatte vorher davon noch nie etwas gehört und finde es sehr interessant!
Viele Grüße
Franziska
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